Natur – in Geld gemessen 1 Kommentar

14:37 am 6. August 2009 , , , ,

Zur Frage, ob es sinnvoll ist,  Klima- Umwelt und Naturschutz in Geld zu messen, um so Klimaschutz argumentativ mit ökonomischen Gewinnerwartungen zu unterstreichen, und dadurch wiederum zu bewirken, dass auch die Wirtschaft etwas beiträgt, hab ich gerade eben einen (zugegebenermaßen etwas älteren) Artikel gefunden:

Ist der ökonomische Wert der Natur wichtig?

Die Natur ist  kein Diener des Menschen. Sollten Ökonomen darum die Finger von Berechnungen lassen, was Natur- und Klimaschutz dem Menschen finanziell bringt? Nein, derartige Studien sind – so unvollkommen sie auch sein mögen – nötig, um Politik und Unternehmen zum effektiven Schutz der Natur zu bewegen.  (Quelle)

Susanne Bergius, die Autorin des Artikels, argumentiert weiterhin, “ethisch-moralisch-ökologische Aufrufe zum Wandel haben kaum etwas gebracht” und nur durch ökonomische Gewinn-Verlust-Berechnungen könnte man überzeugen, denn “leider ist es eben so, dass die Wirtschaft nur dann handelt, wenn sich damit eigene Interessen verbinden lassen”.

Auf einer rationalen Ebene ist diese Argumentation völlig plausibel und klingt nach einer guten Methode, der Wirtschaft das Problem anzutragen und eine Beteiligung an einer Lösung schmackhaft zu machen. Zunächst. Ich weiss nicht, ob die Folgen dieser Strategie schon im Mai 2008 – als der Artikel veröffentlicht wurde – absehbar waren, aber ich denke es lässt sich ein deutlicher Trend erkennen:

  • Die Umweltthematik hat der Wirtschaft gezeigt, dass man mit dem Präfix “Bio” unanständig viel Geld machen kann. Seitdem ist heisst so gut wie alles “Bio”, es gibt Bio-Tütensuppen und Bio-Mikrowellengerichte. Das “Engagement” der Wirtschaft in diesem Bereich bestand also darin, verschiedene Bio-Kriterien und Bio-Siegel zu erfinden und diese überall aufzudrucken; für umweltbewusste Verbraucher ist es dabei relativ undurchschaubar, ob etwas die Bezeichnung Bio verdient undwelche Kriterien dahinter stecken.
  • Neue Konsumtypen und Zielgruppen haben sich etabliert, wie z.B. der LOHAS-Bereich*: “LOHAS ist ein Akronym für „Lifestyle of Health and Sustainability“ (Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit). Es steht für einen Lebensstil oder Konsumententyp, der durch sein Konsumverhalten und gezielte Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern will.” (Quelle). Mit anderen Worten: Produkt-Layout und Marketing wurden dieser Zielgruppe angepasst, um ihren vordergründig von Ethik und Gewissen geleitete Kaufentscheidungen zu triggern. Über das Produkt selbst – wie es wo, von wem und unter welchen Bedingungen produziert wird – von sagt das immernoch nichts aus; die “Lebensmittelskandale” – ich finde den Begriff eher unpassend – sind inzwischen sowas wie ein regelmäßig wiederkehrendes Ritual.

Der Versuch, die Wirtschaft zu manipulieren um einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu forcieren, ist daher offensichtlich der falsche Weg. Wozu gibt es denn eine Regierung, die ja irgendwie auch Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu setzen hat. Oder wer sagt wem, was zu tun ist?

*Ich denke, zum Phänomen LOHAS werde ich mich hier noch öfters äußern, da es sierh hierbei um eine fast so interessante wie abwegige und – aus meiner Sicht – verquere und verabscheuungswürdige Erscheinung handelt.

Kommentare (1) ↓ Kommentar verfassen

  1. Peter sagt:

    Mit den LOHAS komme ich auch nicht so ganz zurecht – mir scheint, dass dies einfach nur ein neues Mark(eting)segment ist, in dem sich begüterte Menschen ein reines Gewissen erkaufen, aber im Prinzip genauso weiterkonsumieren, wie zuvor – nur eben jetzt Nestlé Bio (falls es das gäbe) statt Nestlé Industriepur. Ich denke ja eher, dass ein generelles Umdenken stattfinden muss, weg von der trend- und modegetriebenen Konsumgesellschaft und dem Besitzanhäufen.

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