Die Zeichen verdichten sich, dass der Klimawandel gegen Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr beherrschbar sein wird. Der britische Guardian hat deshalb Wissenschaftler und Ingenieure aufgerufen, Lösungen zu erfinden, die die Auswirkungen des Klimawandels neutralisieren sollen.
Der Artikel, in dem die Lösungen beschrieben werden, ist schon ein paar Tage alt, aber trotzdem muten die Ideen immernoch sehr futuristisch, und eigentlich eher wie eine Mischung aus ScienceFiction und Dadaismus an. Ich nehme mal an, dass das nicht wirklich ernsthaft gedachte Vorschläge waren, so wie zum Beispiel diese beiden:
Man könnte die Wolken weißer machen, indem ferngesteuerte Segelschiffe Sprühnebel aus Meerwasser in die Luft bliesen. Hellere Wolken reflektieren mehr Sonnenlicht, kühlen also die Atmosphäre.
Man könnte enorme Mengen Limettensaft in die Meere kippen. Diese könnten dann mehr Kohlendioxid binden.
Gerade die Klima-Limetten hören sich eher an wie aus einem Zamonien-Roman von Walter Moers (ich muss dazu sagen, ich mag diese Romane) und nicht wie ein seriöser Vorschlag zum Klimaschutz. Ich bin mir aber sicher, auch für diese Idee gibt es eine wissenschaftliche fundierte Begründung, ein kleines Körchen Wahrheit, das im Limettensaft verloren ging.
Beim Lesen hat sich mein nicht sehr seltener Gedanken-Schluckauf gemeldet, dieses Mal wieder mit der Frage: Warum ist Umwelt- Natur- und Klimaschutz immer vor allem Sache von Ingenieuren, d.h. warum wird im Umwelt- Natur- und Klimaschutz immer nach einer technischen Lösung gesucht?
Technologische Errungenschaften können das Problem nicht Lösen, sondern allenfalls Symptome behandeln oder verschieben, denn sie sind immer und ausnahmslos kulturelle Artefakte. Sind sind da. Manche sind umweltschonender als andere. Aber ihre Wirkung (auf die Umwelt) hängt immer davon ab, wie sie genutzt werden, d.h. welchen Stellenwert sie in einer Kultur einnehmen. Je nach dem, mit welchen Bedeutungen technische Geräte in einer Kultur aufgeladen sind, werden sie tabuisiert, nur am Rande oder sehr intensiv genutzt (Beispiele sind Automobile, Flugzeuge, öffentliche Verkehrsmittel).
Ich frage mich deshalb, was es bringt, nach einem technologischen Heiligen Klima-Gral zu suchen, und trotzdem weiterhin in gewohnter Art und Weise (quantitativ und qualitativ) die technischen Errungenschaften benutzen, die der Idee des Umwelt- Natur- und Klimaschutz entgegenwirken. Auf der einen Seite Lösungen wie z.B. die Einlagerung von CO2 zu propagieren aber auf der anderen Seite wenig bis nichts zu tun, dass weniger CO2 und/oder andere schädliche Substanzen produziert werden, ist sinnlos. Nein, es ist scheinheilig.
Und genau dazu taugt ein rein technisch verstandener Umweltschutz: Zur Vortäuschung von Maßnahmen. Zum blinden, ineffektiven Aktionismus, der im besten Fall Symptome bekämpft. Man versucht, Schäden zu reparieren, die durch Vermeidung oder Begrenzung der Ursachen gar nicht erst entstanden wären – anstatt bei den alltäglichen Gewohnheiten und Handlungen der Menschen anzufangen.
naturgetr.eu









