Freiburg ist Deutschlands Bioladen-Hochburg Meinung sagen

11:49 am 30. Oktober 2009 , , , , ,

Wie verschiedene Dienste und Agenturen heute berichten, ist Freiburg die Bioladen-Hauptstadt der BRD.

Die Studentenstädte Freiburg (10,47 Bioläden auf 100 000 Einwohner), Regensburg (9,74), Heidelberg (8,24) und Erlangen (7,62) beheimaten die größte Anzahl an Bio-Geschäften. Erst auf Platz sechs der Rangliste findet sich eine norddeutsche Stadt: in Kiel kommen 6,75 Bioläden auf 100 000 Einwohner.
(Quelle: Die Zeit via Pressemitteilungen)

Die Zeit hat dazu auch einen weiteren Artikel sowie eine vergleichende Deutschlandkarte online bereitgestellt.
Ehrlich gesagt: Für uns Freiburger ist das weder wirklich neu noch überraschend. Ich selber hab hier mindestens zwei Bio-Läden keine fünf Minuten zu Fuß entfernt, und so wird es wohl vielen Freiburgern gehen.
Die Analyse allerdings, warum es hier im Süden bzw. konkret hier in Freiburg derart viele Bio-Läden gibt, erstaunt mich allerdings doch sehr:

Offenbar neigt der süddeutsche Akademiker noch etwas stärker als der norddeutsche zum Bioprodukt, was daran liegen könnte, dass die Menschen im Süden wohlhabender sind

Ja, genau, das wirds sein: Die Menschen hier sind wohlhabender! Vor allem in Studentenstädten ist das natürlich der Hauptgrund… Ja, was haben wir gelacht!.
Aber im Ernst: Gerade weil im selben Artikel der Zeit steht, dass es allgemein in Studentenstädten mehr Bioläden gibt, lässt sich der Rückschluss auf mehr Wohlstand nicht ziehen. Wenn man dagegen kurz nachdenkt, könnte man darauf kommen, dass, den oft mangelnden Geldmitteln zum Trotz, Bio-Läden bei Studenten beliebt bzw. “in” sind (wer die hiesige Mensa kennt, wird das begreifen).

Blöd nur, dass nicht wenige unserer freiburger Bio-Läden eben solche sind, in denen es dann auch gern mal “Bio-Orangen” aus Argentinien und ähnliche ökologische Desaster zu kaufen gibt. Meine Erfahrungen und Eindrücke sind die, dass die freiburger Bio-Läden eher weniger aus ökologischen Gründen gut laufen als vielmehr aus einem verschwurbelten Verständnis des Allround-Begriffes Nachhaltigkeit und der Sorge um die eigene Gesundheit. Mit anderen Worten: In Freiburg konsumiert es sich als LOHAS-Anhänger besonders gut.

Nicht umsonst ist es hier auch so, dass in einem unserer älteren Stadtteile, in dem der gehobene Mittelstand in netten Villen residiert, oft ökologisch daherargumentiert wird – aber vor dem eigenen Haus steht dann doch gerne mal ein aus den USA importierter Dodge.

Gut, ich hör ja auch schon auf, herumzustänkern. Immerhin gibt es in Freiburg in so ziemlich jedem Stadtteil Wochen- und/oder Bauernmärkte (ich hätt gern 100 Gramm Woche, bitte),  so dass man der Öko-Lifestylerei gepflegt aus dem Weg gehen kann.

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