Nachhaltigkeit ist mehr als ein technologisches Projekt Meinung sagen

16:43 am 26. Oktober 2009 , , , , , , ,

Während unser Bundespräsident Horst Köhler noch letztes Jahr anlässlich der Verleihung des Umweltpreises gesagt hat

Nachhaltigkeit ist mehr als ein technologisches Projekt. Sie ist vor allem auch eine Frage der persönlichen Haltung, des Lebensstils von uns allen. Wir alle müssen unsere Einstellungen überprüfen und auf eine neue Balance hinwirken zwischen den Wünschen des einzelnen und dem, was die Erde aushält. Damit meine ich nicht Askese, sondern das Finden von Maß und Mitte für die Eine Welt. Die alten Griechen kannten die Regel: “Von nichts zuviel” Sie wussten, dass bewusster und bejahter Verzicht einen Gewinn an Lebensqualität bedeuten kann. Doch wie bringen wir diese Erkenntnis unter die Leute und gewinnen ihr eine breite Mehrheit? Sicher nicht, indem wir mit Weltuntergangsszenarien die Menschen zum “Umkehren” bewegen. Das hat eigentlich nie funktioniert. Wohl eher indem wir zeigen: Es geht nicht um Verzicht, es geht um Gewinn. Aber eben nicht um immer mehr materiellen Gewinn oder immer mehr materielles Wirtschaftswachstum. [...] Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen, die nur nach materiellem Reichtum streben, weniger Aussicht auf Lebenszufriedenheit haben als jene, die sich persönliche Ziele jenseits des bloßen Konsums stecken und die soziale Beziehungen pflegen.

war dieses Jahr bei seiner Rede Anlässlich der Verleihung eine leichte Abkehr von dieser Haltung zu bemerken; Zwar geht es nach wie vor auch um einen Kulturwandel hin zu einem umweltfreundlicheren Alltag:

Es ist auch Zeit, darüber nachzudenken, ob ein schlichtes “immer mehr”-Denken die Zukunft gewinnen kann. Ich weiß um die Einwände gegen diese Frage: Wenn die Menschen den Eindruck haben, Nachhaltigkeit bedeute vor allem Verzicht und Einschränkung, dann werden wir sie nicht überzeugen können, heißt es. Umweltpolitik galt lange als Betätigungsfeld für Verzichtsapostel, Technikfeinde und Schwarzseher – in dieser Ecke hat sie nichts verloren. Was also tun? Wie schaffen wir die Bereitschaft zur notwendigen Veränderung, wie bauen wir Ängste und Vorbehalte ab, wie stiften wir Zuversicht und Lust auf den Wandel?

Dennoch nehmen technologische und ökonomsiche Lösungen scheinbar (wieder) ihre Position als Heilsbringer und Retter der Welt ein:

Das Potenzial für eine ökologische industrielle Revolution haben wir. Wir müssen es aber auch so schnell wie möglich erschließen. Die Regeln der Marktwirtschaft helfen uns dabei. Es ist wichtig, in den Preis einer jeden Sache und Dienstleistung einzurechnen, was sie die Allgemeinheit kosten – an sauberer Luft, an endlichen Rohstoffen, an Abfall, an Lärm und Staus. Dazu gehört die Fortentwicklung des Emissionshandels, der Abbau umweltschädlicher Subventionen ebenso wie eine Steuerpolitik, die mehr ökologische Anreize setzt. Ich bin überzeugt: Die richtigen Preissignale, Kostentransparenz und das Bemühen um möglichst umweltschonendes Wirtschaften werden weltweit ein Wettrennen in Forschung und Wissenschaft auslösen.

Auch wenn er, wenn auch leiser als im Vorjahr, einräumt:

Der Wandel, den wir voranzutreiben haben, wird aber nicht allein technologischer Natur sein können.

Nicht allein? Aber vor allem, oder wie darf man das verstehen? Und war letztes Jahr der Wandel mehr als ein technologisches Projekt? Und dieses Jahr sind soziokulturelle Lösungen bzw. Ansätze nurmehr zum ergänzenden Beiwerk degradiert worden? Sehr schade.

Die Rede vom letzten Jahr hatte eindeutig mehr Potential, nicht nur wegen ihrer Metaphern, Bildern und Allegorien, sondern auch weil eine Abkehr von der Idee der Technik als Messias des 21. Jahrhunderts spürbar war.

Links:

Antwort verfassen

Ihre Meinung dazu?     Formatierung

(erforderlich)
(erforderlich)

Schließen

Format

Diese XHTML tags können verwendet werden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

URLs, die mithttp:// beginnen, werden automatisch in Links umgewandelt.