16:58 am 3. September 2009 Bundestagswahl 2009, Klimaschutz, Umfrage, Umweltpolitik, Wahlkampf
Das Umweltblog (ebenso cleanthinking.de) berichtet, die “Klimawähler” (was immer das auch sein mag) seien wahlentscheidend:
Für die 18- bis 29jährigen ist der Klimaschutz ein wichtiges Thema. Das ist nicht unbedingt neu, aber immer wieder gut zu hören. Heute hat infratest dimap die Ergebnisse einer Studie verkündet, die sie im Auftrag von Klimaschutzorganisationen wie Germanwatch erstellt hat. (Quelle)
Schön wärs, wenn Umwelt- und Klimapolitik wirklich entscheidend wären, aber auch Axel Weiß, der Betreiber des Umweltblogs, bezweifelt dies stark.
Ich für meinen Teil kann nichtmal die Interpretation, dass “Klimawähler” wahlentscheidend sein sollen, aus den Ergebnissen der Studien ziehen (Details zur Studie siehe Verweise am Ende des Artikels); Natürlich wurde in der Erhebung viel nach Klima- und Umweltpolitik befragt, aber diese Themen wurden eben nicht anderen politischen Themen gegenübergestellt, sodass man eine Gewichtung der Themenbereiche erkennen kann. Frei nach dem Motto
- Frage: “Und, ist ihnen Klimapolitik nicht auch wichtig”
- Antwort: “Ja”
- Ergebnis: Klimapolitik ist den Wähler wichtig, Klimapolitik wird wahlentscheidend sein.
Aber wo bleibt da bitte der Maßstab? Hätte man nicht auch (mit Hilfe einer Skala) erheben müssen, wie wichtig andere Themen sind? Wie kann man sonst ernsthaft und guten Gewissens solche Schlussfolgerungen ziehen?
Interessant bis erheiternd ist auch die Präsentation der Befragung (Powerpoint-Datei), in der auch die nicht nur etwas seltsame Art der Befragung im Hinblick auf die Formulierungen deutlich wird. Die Fragen sind häufig zu lange und hochgestochen formuliert (was als Anfängerfehler noch tolerierbar wäre), sodass ich stark bezweifle, dass diese Erhebung repräsentativ sein kann.
Ebenso interessant, dass manche Fragen, die eine Bewertung einer Aussage erheben wollen, eine fünfwertige Skala (-2, -1, 0, +1, +2) aufweise, andere dagegen nur drei- oder vierwertig sind – eine sehr inkonsistente Art, Fragen zu stellen. Das verwirrt erfahrungsgemäß auch die Befragten, wenn man bei jeder Frage nochmals erklären muss, welche Gewichtungsmöglichkeiten sie haben – anstatt eine einheitliche Skala durchgehend zu verwenden.
Mein Fazit: Da wurde wiedereinmal gutes Geld ausgegeben, um eine unnötige und dazu schlecht gemachte Studie durchzuführen. An dieser Stelle hätte man Geld, Arbeitskraft und nicht zuletzt – um Schutz der Umwelt – wohl auch Papier sparen können.
Letztendlich stand wohl wiedereinmal die erkenntnisleitende Funktion der Fragestellung einer wirklich sinnvollen Aussage im Wege.
Siehe auch:
- Germanwatch.org: Umfrage zeigt: Grüne Jobs und Erneuerbare Energie können Wahl entscheiden. Pressemitteilung 3.9.09
- KlimakanzlerIn-gesucht.de: Grafische auswertung der Erhebung als Powerpoint-Datei
- KlimakanzlerIn-gesucht.de: PDF zur Studie (Grafiken mit Interpretation)
naturgetr.eu









