PETA: Sinnfrei in Freiburg Meinung sagen

12:58 am 21. August 2009 , , , , ,

Die PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) hat sich hier in Freiburg wiedereinmal eine sinnfreie Aktion erlaubt:

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will die Tierschutzorganisation PETA heute in Freiburg für die vegetarische Lebensweise werben. Ab 11 Uhr wollen zwei fast nackte Tierschützerinnen öffentlich am Bertoldsbrunnen duschen. Das Motto der Aktion lautet „Wasch dein Gewissen rein – werde Vegetarier“. PETA ist der Ansicht, dass die vegetarische Lebensweise der einfaschte Weg ist, um massiv CO2-Emmissionen einzusparen und umweltfreundlicher zu leben. (Quelle)

TV Südbaden stellt über die Aktion auch ein Video bereit, welches allerdings nur im wmv-Format vorliegt.

Nun ist es ja nicht gerade das erste Mal, dass PETA mit seltsamen Aktionen auffällig wird – man erinnere sich an den Holocaust-Vergleich oder die frauenverachtende (und darüber hinaus sinnfreie) Tierschutzkampagne - aber dass PETA dabei, wie während der Aktion in Freiburg, auch noch Wasser verschwenden muss…!

Wie ich hier eigentlich inzwischen regelmäßig anmahne, ist ein veränderter Lifestyle keineswegs eine wirkliche Lösung für Umweltprobleme – und das Klima ist darunter ausdrücklich nur ein Aspekt von vielen – sondern dass auch die Quantität des Konmsums verändert werden muss:

[...] dass das Herunterfahren des Konsums Priorität haben muss und dann, an zweiter Stelle, die Art und Zusammensetzung der Produkte berücksichtigt werden sollte – so dass wenn wir konsumieren, dies auch ökologisch und vernünftig tun. Nur dadurch kann erreicht werden, dass nachhaltig konsumiert wird; wie im Artikel angeführt ist es nutzlos, wenn nur andere Produkte, nicht aber weniger konsumiert wird. (Quelle)

Tofu ist im Übrigen ein schönes Beispiel, warum alternative Produkte nicht zwingend auch ökologisch sinnvoll(er) sind: Die Herstellung von Tofuprodukten benötigt nicht gerade wenig Wasser. Abgesehen von diesem Kritikpunkt gibt es auch weitere Kritikpunkte, die mich persönlich an Tofu als Alternative zweifeln lassen.

Hinzu kommt, dass derlei Ersatzprodukte (ob aus Tofu oder aus anderen Zutaten) sich oft an die tierischen Produkte, die sie ersetzen sollen, anlehnen. Das führt dazu, dass Perversitäten wie z.B. vegane Salami scheinbar nötig werden. Ebenfalls weit verbreitet sind Soja- bzw. Tofuwürstchen, die mit Hilfe von Weiterverarbeitung und Zusatzstoffen den Geschmack von “richtigen” Würstchen nachbildenden.
Die vermeintlich umweltbewussten Öko-Aktivisten und Konsumenten  dieser Produkte scheinen zwar Fleisch abzulehnen, aber es muss bitteschön ein aufwändig hergestelltes Ersatzprodukt her, das am Besten auch nach Fleisch schmeckt. Solches Verhalten lässt mich sehr stark an der Ernsthaftigkeit der propagierten Werte zweifeln, denn das macht nicht den Eindruck, als wäre die ethische und ökologische Überzeugung groß genug, um, wenn es nötig ist (und das ist es!), auch selbst Einschränkungen in seinen eigenen persönlichen (Konsum)Gewohnheiten hinzunehmen.

Ich frage mich zudem – und ich meine das ernst und nicht als persiflierende Übertreibung -  warum es ethisch sein soll, Tiere zu verschonen, aber stattdessen pflanzliche Lebewesen in größerem Maßstab nich artgerecht zu halten um sie zu konsumieren.
Was sind monokulturelle Felder (anstelle von Mischkulturen) anderes als Legebatterien?

Ich höre schon die Gegenargumente: Tiere können Schmerz verspüren Pflanzen dagegen nicht, auch wenn sie Lebewesen sind. Aber: Wenn ein Mensch aufgrund einer Erkrankung teilweise oder komplett keinen Schmerz mehr spüren kann, oder wenn er als sog. “vegetable” im Koma (persistierender vegetativer Status) liegt – darf man ihn dann töten? Wäre das nicht konsequent?

Wobei mich die Argumentation mit einem etwaigen Schmerzempfinden sehr stark an den Personenbegriff des englischen Philosophen John Locke erinnert: Eine Person mit den dazugehörigen Rechten ist nur, wer seine Interessen aktiv äußern, vertreten und ggf. verteidigen kann. Eine Position, die bedeuten würde, dass Alte, (Demenz)Kranke, Behinderte, Kleinkinder und eigentlich sogar Schlafende (!) nicht als Personen mit vollen Rechten anerkannt werden würden und dementsprechend der Willkür Dritter total unterworfen wären.

Alles in Allem kann ich also die Argumentation der PETA nicht nachvollziehen, zumal sich dort die Desinformation über die angeblich bessere Gesundheit von Vegetariern und Veganern hartnäckig hält. Nicht jeder Vegetarier oder Veganer ist automatisch gesünder, man denke an das Schlagwort Puddingvegetarier. Ich frage mich außerdem, wie Vegetarier und Veganer essentielle Nährstöffe, die ausschließlich in tierischen Produkten vorkommen, zu sich nehmen.
Wobei: eigentlich frage ich mich das nicht wirklich – ich war 9 Jahre Vegetarier und fast 2 Jahre Veganer und hatte auch Umgang mit der “Szene”: neben Pseudo-Alternativen wie Kampfstiefel aus Vollplastik (sehr Umweltfreundlich, vor allem wenn man die Zerfallszeit bedenkt) sind auch Nahrungsergänzungspräparate gang und gäbe.

Ich für meinen Teil bleibe lieber bei niedrigem Konsum (wobei das Essen oft unabsichtlich vegan ist). Essen muss ich, das steht fest. Dadurch werden so oder so tierische und Pflanzliche Lebewesen auf die eine oder andere Art in Mitleidenschaft gezogen, das kann ich auch nicht ändern. Aber es liegt durchaus in meiner Verantwortung und in meinem Handlungsspielraum, über das Niveau meines Konsumverhaltens das Ausmaß dieser unethischen Konsequenzen zu vermindern.

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