Ein interessantes Interview, gefunden in der taz:
die Ausgaben für Bioprodukte in Deutschland sind dieses Jahr zum ersten Mal gesunken. Es wird über eine gewisse “Biomüdigkeit” diskutiert. Warum scheint Bio nicht mehr so hip zu sein wie früher ? (Hier gehts zum ganzen Interview)
Also Bio als hip, und somit als bloßen Trend zu bezeichnen ist doch sehr unpassend. Bio hat nicht hip oder trendy usw. zu sein. Bio sollte selbstverständlich sein. Interessant ist auch diese Frage, ebenso wie die Antwort darauf:
Geht es beim Essen um mehr als nur ums Essen?
Natürlich. Essen ist Identität, und zwar in alle Richtungen. Also sozialstrukturell gesehen, generativ, Lebensphasen bedingt, geschlechterspezifisch.
Dagegen habe ich dringend einzuwenden, dass Bio als Idee und Maßstab nicht nur Lebensmittel betrifft, sondern einfach so gut wie alles. Die Fokussierung auf Lebensmittel ist wohl dem sehr selektiven Öko-Konsum von Modeerscheinungen wie LOHAS geschuldet. Die Aussage, das Interesse dafür sei geschlechterspezifisch, ist auch ein starkes Stück: Gerade eine Soziologin sollte wissen, dass derartige Aussagen nicht nur Geschlechterklischees reproduzieren (hier: die Frau als fürsorgliche Mutter, zuständig für Ernährung und Gesundheit) sondern auch nebenbei auf einer strukturellen Ebene das binäre Geschlechtersystem stützt.
Insgesamt sehe ich mich durch solche Aussagen in meine Ausführungen (und hier) bestätigt: Bio als identitätsproduktiver Trend in einer Konsumgesellschaft ist kontraproduktiv, schon allein deshalb, weil jeder Trend irgendwann wieder endet – spätestens, wenn er, wie es im Interview heisst, keinen Distinktionsgewinn mehr bringt, sprich: Wenn man sich mit Bio nicht mehr von anderen abheben und sich damit nicht mehr aufspielen und wichtig machen kann. Das wars dann wohl (endlich) mit LOHAS, dem “Lifestyle of Health and Sustainability”.
Die taz fragt weiter:
Was könnte auf Bio folgen?
naturgetr.eu










Wie normal Bio inzwischen geworden ist, und wie wenig gerade die LOHAS-Bewegung grundsätzliche Probleme, die in diesem Wirtschaftssystem immanent eingeschrieben sind, erkennt bzw. erkennen will, sieht man gerade aktuell auch an der Entwicklung von Utopia, die in den letzten 1-2 Wochen Konzernen wir der Dt. Telekom und Entega (!) ein Forum gegeben haben, sich als “nachhaltig” hinzustellen. Bezeichnend auch der aktuelle Bericht, ob Discounter wie Aldi nachhaltig seien…:
http://www.utopia.de/magazin/aldi-auf-pruefstand-was-taugen-bio-produkte-beim-discounter
Ich musste schon ziemlich staunen – von den ganzen Problemen, die die Billigketten mit sich bringen, kaum ein Wort… immerhin erwähnt der Autor, dass Aldi mit seinen Billigaktionsprodukten den Konsum unnötig anheizt, wenigstens was!